Immer Ärger mit der Krankenkasse

Vor einigen Wochen haben wir die Verordnung für 15 Packungen Blutzucker-Messstreifen an die Krankenkasse geschickt. Einige Tage später traf ein Paket mit 6 Packungen Messstreifen ein (ohne irgendeinem weiteren Kommentar).

Das hat mich noch nicht beunruhigt. Immerhin ist man es gewohnt, dass es mehrere Anläufe braucht, bis man bekommt, was man braucht.

Also habe ich nachgefragt, warum bloß 6 Packungen Streifen geschickt wurden. Ich bin fast vom Sessel gefallen, als mir die Sachbearbeiterin erklärte, dass wir nur mehr 3 BZ-Streifen pro Tag erhalten. Mit der Begründung, dass es eine neue österreichweite Vereinbarung gibt, und da wir CGM verwenden, brauchen wir nur mehr 3 Streifen pro Tag.

Die Dame hat mich dann zum Chefarzt verbunden, der mir gar nicht zuhören wollte. Seine Ansicht war: Das ist die neue Vereinbarung und Punkt. Der Sensor (CGM) misst, da braucht man keine Streifen mehr. Dass auch der Hersteller sagt, 2 bis 4 Kalibrierungen sind notwendig und dass vor jedem Eingriff in die Therapie der Blutzucker gemessen werden muss, ist vollkommen uninteressant. Er hat mich weder aussprechen lassen, noch irgendetwas gelten lassen, was ich gesagt habe.

So sehe ich nach einem Telefonat mit der Krankenkasse aus.

So sehe ich nach einem Telefonat mit der Krankenkasse aus.

Ich war so wütend. Genau das macht mich rasend: Ich beschäftige mich seit Jahren jeden Tag mit dieser Krankheit und es ist egal, was ich sage. Er geht keine Millisekunde davon aus, dass da ein Irrtum auf Seiten der Krankenkasse vorliegen könnte. Mir war schon klar, dass er keine Ahnung hat von der Therapie. Erstens weil er der Ansicht war, dass CGM die BZ-Messung ersetzen kann, und zweitens weil er nicht wusste, was CSII ist (CSII = continuous subcutaneous insulin infusion = Insulinpumpentherapie).

Später am Tag hat mein Mann sein Glück versucht und hat die Ombudsfrau der Krankenkasse und den Chefarzt kontaktiert. Erst als mein Mann den Chefarzt darauf hingewiesen hat, dass sie sich beruflich kennen, hat er ihm zugehört. Wie verrückt ist das denn? Aber zumindest hat er versprochen, wir würden einen Termin bekommen, wo wir unsere Sicht erklären können.

Natürlich haben wir dann Mal nachgeforscht, was es mit dieser österreichweiten einheitlichen Vereinbarung auf sich hat und auch einige Artikel im Internet gefunden. Hier wird diese Vereinbarung als ein Meilenstein gefeiert:

Kurier

ÖDG

Der Standard

Dann haben wir bei zwei weiteren Krankenkassen nachgefragt: Die einen meinten 750 Streifen im Quartal, aber das gilt nur mehr dieses Jahr, und was nächstes Jahr ist, wissen sie noch nicht. Die anderen meinten, dass 3 Streifen pro Tag laut dieser Vereinbarung richtig sind, aber sie geben noch 3 Streifen pro Tag dazu.

Aha, so sieht also eine österreichweit einheitliche Regelung aus: 3 Krankenkassen, 3 Vorgehensweisen.

Da die ÖDG (Österreichische Diabetes Gesellschaft) diese Vereinbarung gemeinsam mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen geschlossen hat, habe ich mich an den ÖDG gewendet. Ich bekam sehr schnell eine klare Antwort: Laut der neuen Vereinbarung sollten wir 650 Streifen im Quartal erhalten (ca. 7 pro Tag). Die Information unserer Krankenkasse ist falsch.

Es gab immer wieder Telefonate mit unserer Krankenkasse, unser Termin wurde immer weiter verschoben, am Standpunkt der Krankenkasse hat sich nichts geändert. Alle unsere Argumente wurden abgetan. Selbst als wir das Schreiben der ÖDG weitergeleitet haben, war der Krankenkasse noch immer nicht klar, dass sie vielleicht und unter Umständen, also eventuell etwas in dieser Vereinbarung falsch interpretiert haben könnten.

Dann nach ungefähr 3 Wochen ein Telefonat mit der Krankenkasse: Es gab Gespräche (wir vermuten zwischen ÖDG und Chefärzten???), und dabei hat sich herausgestellt, dass die Vereinbarung falsch interpretiert wurde. Wir bekommen 650 Streifen im Quartal! Aber für die uns fehlenden Streifen braucht es eine neue Verordnung. Typisch, noch mehr Papierkrieg.

Außerdem wollten sie wissen, ob wir den Sensor denn immer verwenden werden. Es ist klar, worum es geht: BZ-Streifen und Sensoren sind teuer. Das ist richtig. Aber hier zu sparen ist nicht der richtige Weg. Einerseits weil es die Therapie verbessert und somit hoffentlich hilft, Spätfolgen des Diabetes zu vermeiden. Andererseits: Die Zukunft geht in Richtung Sensor. Der Closed Loop wird mit einem Sensor erst möglich.

Zurzeit merke ich wieder wie wertvoll CGM in unserem Alltag geworden ist. Die letzten beiden Wochen hatte T. keinen Sensor, weil sie mit der Schule einige Male schwimmen war. Und prompt hatten wir wieder Hypos, wie zB heut42e 42 mg/dl oder als ich sie von ihren Freundinnen abholte und einen Wert von 460 mg/dl gemessen habe. Mit Sensor passiert das viel seltener. Durch die Nutzung des Sensors habe461 ich erst bemerkt, dass wir wahrscheinlich schon viele nächtliche Hypos verschlafen haben, obwohl wir jede Nach den BZ messen. Und ehrlich gesagt, genau diese nächtlichen Hypos, die keiner bemerkt, die machen mir Angst.

Von der Krankenkasse wünsche ich mir mehr Verständnis, dass sie Patienten ernst nehmen und das eigene Handeln reflektieren. Wir machen das nicht zum Spaß und können uns ausch etwas schöneres vorstellen, als um Diabetesmaterial zu feilschen.

Außerdem würde ich gerne diese neue Vereinbarungen im Detail sehen. Denn das ist natürlich auch nicht möglich. Warum, kann ich nicht nachvollziehen.

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