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Diabetes in Kombination mit einem Magen-Darm Virus macht uns wieder Mal das Leben schwer. Es ist nur ein harmloser Magen-Darm Virus (da hatten wir schon schlimmere) und eigentlich könnte man meinen, man gewöhnt sich an die diabetes-bedingten Begleiterscheinungen. Aber vielleicht ist auch genau andersherum: wir haben uns nicht daran gewöhnt, sondern erinnern uns nur zu gut daran, wie schlimm das werden kann (Stichwort Ketone und Krankenhaus).

Also momentan alles halb so wild: Nach dem Abendessen war es T. schlecht und ein Blick auf die Pumpe zeigte, der Blutzucker sinkt. Die gegessenen Kohlenhydrate wurden nicht (gut) aufgenommen, aber das Insulin wirkte. Zum Glück war T. nicht so schlecht, dass sie brechen musste und gar nichts mehr essen konnte. Sie hat Traubenzucker gegessen –  gut gekaut, in der Hoffnung, dass sie die Glukose bereits über die Mundschleimhaut aufnimmt.

Trotzdem waren wir stundenlang beschäftigt den Blutzucker in Griff zu bekommen. Dann erst konnten wir in Ruhe schlafen gehen.

Nach so einem Abend fühle ich mich am nächsten Tag erschlagen und ausgelaugt.

Das liegt sicher nicht einfach an diesem Abend. Vielmehr ist es so, dass ein langer Weg hinter mir liegt und ein langer Weg vor mir liegt, nur die Rast kommt auf dieser Wanderung zu kurz.

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Das bin ich

Wie alle Eltern sind wir natürlich auch immer in Sorge um unser Kind. Meist fängt das Sorgen bereits in der Schwangerschaft an. Wer von den Müttern kennt das nicht?

Mit Diabetes als Begleiter gibt es natürlich noch mehr zum Sorgen. Einerseits um die körperliche Gesundheit: Wie sind die Werte und der HbA1c? Wie wirkt sich das alles auf den Körper aus? Wo wirkt es sich aus?

Andererseits auch um die Psyche: Wie kommt sie mit dem Diabetes klar? Wie belastend empfindet sie den Diabetes?

Vor kurzem hat T. in der Schule sich selbst beschrieben. Das ist ihr Aufsatz über sich:

Das bin ich

Hallo, ich bin T. Xxxx. Mein Spitzname ist T. Ich bin 9 Jahre alt und werde bald 10, denn ich habe am 25. Dezember Geburtstag. Ich wohne in Xxxx, Xxxx. Geschwister habe ich keine.

Mein Haar ist braun und lang. Ich trage es meist zusammengebunden. Meine Augen sind blau und ich habe eine Stupsnase. Meist lächle ich, weil ich fast immer glücklich bin. Ohrringe habe ich keine. Auch eine Brille brauche ich nicht. Ich bin eher klein, zierlich und dünn.

Das Armband meiner Freundin trage ich immer bei mir. Ich trage coole, schöne und süße Sachen. In der 4. Klasse sitze ich neben meiner Freundin B. Ich habe eine Vorliebe für Tiere. Ich bin hilfsbereit, lustig und abenteuerlustig. Meine Hobbys sind Barbie spielen und mit meinen Freundinnen spielen. Sehr gerne unternehme ich etwas mit meinen Eltern. Ich könnte mir keine besseren Freundinnen vorstellen als B. und F.

Ich bin sehr glücklich mit mir.

T. hat seit ihrem 15. Lebensmonat Diabetes. Ich denke, für sie ist der Diabetes selbstverständlich. Er gehört schon immer zu ihrem Leben. Sie ist zwar genervt vom häufigen Blutzzuckermessen und von der quietschenden Pumpe, aber sie kennt es auch nicht anders.

Ich finde den letzten Satz sehr schön, und T. hat beim Verbessern (das ist die verbesserte Version) auch darauf bestanden, diesen Satz genauso gemeint zu haben. Ich habe T. gefragt, wie es kommt, dass sie den Diabetes nicht erwähnt hat. “Daran habe ich gar nicht gedacht.”, war ihre Antwort.

In diesem Sinne allen PWD (People with Diabetes) und ihren Familien wunderschöne Feiertage (mit wenigen Sorgen um Zuckerwerte 😉 )