Déjà-vu Pumpenwahl

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da waren wir bereits auf Pumpensuche. Und eigentlich hatte ich die richtige Pumpe auch gefunden. Die neue Medtronic 640G sollte es sein. Von der Funktion Smart Guard  war ich begeistert. Aber ich hatte die Rechnung ohne T. gemacht 😉

T. hat im letzten Sommer die 640G zwei Wochen getragen. Aber die Pumpe war ihr zu groß und zu schwer. Also sind wir wieder zur VEO zurückgekehrt und haben das Thema Pumpe mal gut sein lassen.

Nun sehen wir uns wieder um…DSC_0717DSC_07231

T.s Wünsche an eine Pumpe:

  • cooles Zubehör (Taschen, Skins)
  • schnelle, einfache Bedienung
  • und nicht zu groß und nicht zu schwer

Meine Wunschliste an eine Pumpe:

  • Bolusrechner
  • schnelle, einfache Bedienung
  • Stahlkatheter
  • kleine Bolus- und Basalschritte
  • Fernbedienung (mit integriertem Blutzuckermessgerät)
  • Daten Software

Mal sehen, ob wir diesmal ans Ziel kommen. Das letzte Wort hat ganz klar T.

Die neue Insulinpumpe von Medtronic MiniMed 640G

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit die neue Pumpe von Medtronic in den Händen zu halten. Medtronic hat zum 1. Blogger Treffen in Österreich geladen und hierbei die MiniMed 640G vorgestellt. MiniMed640G

Die neue MiniMed 640 G
Die interessanteste und wichtigste Neuerung ist SmartGuard. Bereits jetzt war die VEO in Kombination mit CGM mit einer Hypoabschaltung ausgestattet. Das heißt, bei Erreichen eines bestimmten Wertes wird die Insulinzufuhr gestoppt. Mit SmartGuard geht Medtronic noch einen Schritt weiter. Bereits eine halbe Stunde vor der errechneten Erreichung des Grenzwertes wird die Insulinzufuhr unterbrochen. Nach einer halben Stunde überprüft die Pumpe diese Entscheidung. Also ob die Insulinzufuhr wieder gestartet werden kann oder weiterhin unterbrochen bleibt.

Ich muss sagen, das hört sich wirklich gut an, und wir könnten das im Diabetes-Alltag einige Male jede Woche gebrauchen. Bei T geht der Absturz des Blutzuckerspiegels manchmal wirklich rasant. Ich bin mir nicht sicher, was der SmartGuard da bewirken könnte, aber wenn er nur hin und da hilft einen Hypo abzufangen oder abzumildern, wäre es schon klasse.

Weiter Neuerungen sind das Design – die Pumpe ist jetzt im Hochformat – und das Farbdisplay.
Auch die Menüführung wurde komplett überarbeitet. Ich finde eine einfache Bedienung sehr wichtig. Immerhin muss sich auch T zurechtfinden. Da hat mich die MiniMed 640G auf jeden Fall überzeugt. Man kommt einfach und leicht ans Ziel, ohne Umwege und Ratespiele.
Sehr nützlich ist auch, dass das aktive Insulin am Startbildschirm immer sichtbar ist. Da hat jemand mitgedacht 😉

MiniMed 640G

MiniMed 640G

Für T sind ganz andere Dinge bei ihrer neuen Pumpe wichtig. Ich habe schon mehrmals versucht, T in die Entscheidung für ihre neue Pumpe einzubinden. Bisher war ich damit nicht erfolgreich. Ihre Wünsche beschränken sich auf zwei Dinge: 1. Die Pumpe muss funktionieren (eigentlich ein ziemlich gutes Kriterium) und 2. es muss schöne Pickerl geben.
Und zum Glück gibt es die neue MiniMed mit verschiedenfarbigen Aufklebern und auch Silikonhüllen. Die Lenny-Löwe Silikonhülle hat T sofort überzeugt!

Der Zuckermesser Contour next link sendet, wie auch schon bei der VEO, die Werte automatisch an die Pumpe. Zusätzlich kann man den Contour auch als Fernbedienung verwenden, allerdings nur manuelle Bolusabgaben. Der Bolusexpert funktioniert nicht über die Fernbedienung.
Und auch das Auslesen der Daten am PC funktioniert über den Contour next link.

Die neue Pumpe soll noch im ersten Halbjahr 2015 in Österreich auf den Markt kommen und ist auch für Kinder zugelassen.

Alles in allem bin ich von der MiniMed 640G begeistert. Sie wirkt durchdacht. Ich hoffe, sie kann im Alltag halten, was sie verspricht. Was mir persönlich noch fehlt, ist eine Fernbedienung, die vollen Zugriff auf die Pumpe bietet – vor allem der Bolus Expert sollte auch über die Fernbedienung funktionieren. Die CGM Kurve auch auf dem Zuckermesser oder auf dem Smart Phone zu sehen, wäre auch ein wichtiges Tool.

Video von Medtronic: https://www.youtube.com/watch?v=D88827yTDD0&noredirect=1

Katheter setzen – ein langer Weg …

900 Katheter haben wir mittlerweile bereits gesetzt – ungefähr. 900 Mal musste T das Katheter setzen über sich ergehen lassen.
T hatte von Anfang an eine Insulinpumpe und wir haben zunächst Teflon-Katheter verwendet, die wir am Bauch gesetzt und jeden dritten Tag gewechselt haben.

Die Schwierigkeiten
T war noch sehr klein und das Katheter setzen eine anstrengende Angelegenheit für uns alle. T hat sich natürlich gewehrt und geschrien. Wir mussten sie festhalten, um den Katheter setzen zu können. Um das zu umgehen, haben wir dann versucht, den Katheter nachts, während T schlief, zu setzen. Das ist uns aber nicht allzu oft gelungen. Sie ist meistens aufgewacht.
Wir haben dann zum Setzen im Oberschenkel gewechselt und setzen dort noch immer. T will keine anderen Stellen versuchen.
Später hat sich T nicht mehr so gewehrt, aber viele Jahre blieb das Setzen ein aufwendiges Prozedere mit gut zureden, durchatmen, auch immer wieder Tränen. Daher haben wir versucht, die Stelle mit Xylocain-Gel zu betäuben – mit mittelmäßigem Erfolg.

Zaubercreme Emla

Emla-Creme

Emla-Creme

Vor einigen Monaten sind wir auf Emla-Creme umgestiegen, die mindestens schon eine Stunde vor dem Katheterwechsel aufgetragen und mit einem Tegaderm abgedeckt wird. Die Emla-Creme ist zwar ganz schön teuer, aber seit dem wir diese verwenden, ist das Katheter wechseln wesentlich einfacher und entspannter geworden.

Hautprobleme
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, haben diese geschätzten 900 Nadeln auch ihre Spuren hinterlassen. Manchmal waren Ts Oberschenkel übersät mit roten Flecken, sodass es schwer fiel eine freie Stelle für die neue Nadel zu finden. Nach dem Herausnehmen des Katheters juckt es T häufig an der Katheterstelle und es fällt ihr schwer, nicht zu kratzen. Durch das Kratzen hat sich auch einmal eine Stelle entzündet. Es entstand ein Abszess, der nur sehr langsam verheilt ist und eine Narbe hinterlassen hat.

Umstieg auf Stahlkatheter

Stahlkatheter

Stahlkatheter

Vor einigen Monaten konnten wir aber auch das in den Griff bekommen: wir haben auf Stahlkatheter gewechselt. Ich war zunächst sehr skeptisch, weil ich es mir als sehr unangenehm vorgestellt habe, eine Stahlnadel rund um die Uhr im Körper zu haben. Daher habe ich zunächst einen Stahlkatheter zwei Tage Probe getragen. Danach war ich beruhigt: es war nicht schmerzhaft und die meiste Zeit habe ich den Katheter gar nicht gespürt.
Nun musste ich nur mehr meine Tochter überzeugen. Der Deal war, wenn sie mir einen Stahlkatheter setzen darf, darf ich ihr auch einen setzen. Auch das haben wir hinbekommen!
Es hat uns zunächst einiges an Überwindung gekostet, ohne Setzhilfe zu setzen. Jahrelang waren wir es gewohnt bei der Setzhilfe nur die Knöpfe zu drücken und zack saß der Katheter.

Setzhilfe

Setzhilfe

Nun mussten wir die Nadel selbst durch die Haut piksen. Aber daran gewöhnt man sich rasch.
Momentan sind wir sehr zufrieden. Mit Stahlkatheter und Emla-Creme funktioniert das Setzen gut und die Haut an den Setzstellen sieht wieder schön aus. Also viel herumprobiert, aber nun endlich eine Lösung gefunden.

Sich selbst piksen – eine Herausforderung
Natürlich haben wir immer wieder versucht, T davon zu überzeugen, sich den Katheter selbst zu setzen. Sie dachte nicht im Traum daran!
Bis wir eine Freundin zu Besuch hatten, die selbst seit ihrer Kindheit Diabetes hat. Sie hat T ermutigt, es selbst zu versuchen. Gleich am nächsten Tag hat T beschlossen, das Katheter setzen selbst zu übernehmen. Wir Eltern hätten uns den Mund fusselig reden können, T hätte es nicht probiert. Aber mit ein bisschen Peer-Support geht es ganz leicht.